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    Gewalt Macht Widerstand

    Andreas Blechschmidt und Thomas Ebermann über linke Militanz - März 2020

    Gewalt Macht Widerstand

    " ...und deswegen demonstriere ich so gerne mit dir zusammen..."

    Thomas Ebermann diskutierte am 04.03.2020 mit dem Autor Andreas Blechschmidt über den Sinn und Zweck linker Militanz. Der Abend fand im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zu Herbert Marcuse statt. Ausgangspunkt bildete die 2019 bei Unrast erschienene Streitschrift Andreas Blechschmidts um die Mittel zum Zweck: "Gewalt. Macht. Widerstand.", in der die Ereignisse um den G20-Gipfel theoretisch reflektiert und historisch eingeordnet werden.

    Wir dokumentieren hier den Abend zum Nachhöhren und freuen uns auch die vergriffene Broschüre, zu Herbert Marcuse, die im Rahmen des Bühnenstücks `Der eindimensionale Mensch wird fünzig´ (2014) entstanden ist, als *pdf bereitstellen zu können (siehe weiter unten)


    (...)
    „Und selbst, wenn wir noch keine Veränderung sehen; müssen wir weitermachen; müssen wir widerstehen wenn wir noch als Menschen leben, arbeiten und glücklich sein wollen. Im Bündnis mit dem System können wir das nicht mehr."

    Herbert Marcuse; Das Problem der Gewalt in der Opposition


    Der Abend

    Danksagung | 1:05 - Einleitung | 4:12 - Begrüßung Andreas Blechschmidt | 6:20 - Begrüßung Thomas Ebermann | 7:40 - Beitrag Andreas Blechschmidt | 50:30 - Andreas ließt Kapitel aus Gewalt Macht Widerstand | 1:13:30 - Beitrag Thomas Ebermann | 1:55:29 - Thomas über selbstverharmlosende Protestformen | 1:59:43 - Publikumsdiskussion u.a mit 2:09.37 - Frage nach und Kritik an Beitrag zu den selbstverharmlosende Protestformen - und 2:44:48- Schlusswort Andreas mit Bezug auf thematische Elemente im Werk Herbert Marcuse u.a.


    (... )
    Aber ich glaube, daß es für unterdrückte und überwältigte Minderheiten ein >>Naturrecht<< auf Widerstand gibt, außergesetzliche Mittel anzuwenden, sobald die gesetzlichen sich als unzulänglich herausgestellt haben. Gesetz und Ordnung sind überall und immer Gesetz und Ordnung derjenigen, welche die etablierte Hierarchie schützen; es ist unsinnig, an die absolute Autorität dieses Gesetzes und dieser Ordnung denen gegenüber zu appellieren, die unter ihr leiden und gegen sie kämpfen- nicht für persönlichen Vorteil und aus persönlicher Rache, sondern weil sie Menschen sein wollen. Es gibt keinen anderen Richter über ihnen außer den eingesetzten Behörden, der Polizei und ihrem eigenen Gewissen. Wenn sie Gewalt anwenden, beginnen sie keine neue Kette von Gewalttaten, sondern zerbrechen die etablierte. Da man sie schlagen wird, kennen sie das Risiko, und wenn sie gewillt sind, es auf sich zu nehmen, hat kein Dritter, und am allerwenigsten der Erzieher und Intellektuelle, das Recht, ihnen Enthaltung zu predigen.

    Herbert Marcuse; Repressive Toleranz


    Das Buch:
    Andreas Blechschmidt: Gewalt Macht Widerstand
    https://unrast-verlag.de/neuerscheinungen/gewalt-macht-widerstand-detail


    Diskutierende/ Autoren

    Andreas Blechschmidt

    hat Neue Deutsche Literatur, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und Sozialpsychologie studiert. Langjährige Tätigkeit als examinierter Altenpfleger und Engagement als Betriebsrat bzw. Betriebsratsvorsitzender. Seit 1989 in der besetzten Roten Flora in Hamburg aktiv. Schreibt als freier Autor in der Berliner Wochenzeitung jungle world. Veröffentlichungen u.a. zu Gentrifizierung, Stadtentwicklung und rechtspolitischen Themen. Mitherausgeber des Buches Free Oz. Streetart zwischen Revolte, Repression und Kommerz.


    Thomas Ebermann

    ist Autor, Publizist, Dramaturg und hat jahrelang (gemeinsam mit Rainer Trampert) satirische Lesungen veranstaltet und über 50 literarische Stoffe zu szenischen Lesungen bearbeitet, zuletzt das Stück „Q" von Luther Blissett.

    Autor und Regisseur des Bühnenstücks „Der Firmenhymnenhandel" und Co-Autor von „Der eindimensionale Mensch wird 50". Für seine Arbeiten wurde Thomas Ebermann im Jahr 2012 vom Auschwitz-Komitee mit dem Hans-Frankenthal-Preis ausgezeichnet.

    Vor kurzem bestritt er einen Abend im Deutschen Schauspielhaus Hamburg unter dem Titel „Thomas Ebermann beleidigt Helmut Schmidt", bei dem es gar nicht um Helmut Schmidt ging.

    Zur Zeit ist er gemeinsam mit Thorsten Mense mit dem Programm "Heimat- Eine Besichtigung des Grauens" unterwegs. Im konkret Verlag erschien 2019 von ihm das Buch "Linke Heimatliebe - Eine Entwurzelung. "

    https://www.heimatfeindschaft.de/heimat-eine-besichtigung-des-grauens/

    https://www.konkret-magazin.de/416-linke-heimatliebe-von-thomas-ebermann


    Einen ausführlichen Beitrag von Thomas Ebermann zum Thema Gewalt und Militanz bietet der in der Aufnahme angesprochene Wiener Vortrag zum Thema:

    https://archive.org/details/EbermannAntifaCafe


    (...)
    Die kritische Theorie der Gesellschaft besitzt keine Begriffe, die die Kluft zwischen dem Gegenwärtigen und seiner Zukunft überbrücken könnten; indem sie nichts verspricht und keinen Erfolg zeigt, bleibt sie negativ. Damit will sie jenen die Treue halten, die ohne Hoffnung ihr Leben der Großen Weigerung hingegeben haben und hingeben. Zu Beginn der faschistischen Ära schrieb Walter Benjamin: Nur um der Hoffnungslosen willen ist uns die Hoffnung gegeben.

    Herbert Marcuse; Der eindimensionale Mensch


    Die im Rahmen der Bühnenproduktion mit Unterstützung des konkret Verlages entstandene Broschüre `Der eindimensional Mensch wird fünzig´ sammelt einige Fragen und Aspekte zum Werk Herbert Marcuses. Diese werden kurz behandelt von Autor´innen wie Roger Behrens, Dietmar Dath, Barbara Kirchner, Sonja Eismann, Stefan Ripplinger und anderen. Eine gelungene Broschüre, die auch einen prägnanten Einstieg in die Fragestellungen und Auseinandersetzungen bezüglich Herbert Marcuses bietet. Die Broschüre steht hier am Ende als `pdf zum download bereit.


    Eine Veranstaltung des campus Libertalia | Café hausZwei und der Gruppe KonsensNonsens